Jubiläen 2008

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Dammer Carneval 1908:
„Von Witz und Humor geschwängerte Lüfte“,
aber kein Prinz und kein Kostüm-Umzug

Zwar gab es 1908 den traditionellen Aufruf eines Prinzen, doch firmierte dieser mehr oder weniger anonym. Er nannte sich „von Hammerfest und Haltestramm“ und erklärte sich bereit, „100 Orden von der tollen Dreistigkeit“ zu stiften (vgl. dazu den Kopf der Fastnachtszeitung von 1908). Mit anderen Worten: Der Elan vom Vorjahr, als man noch einen Prinzen und sogar einen Themenumzug („Der Hauptmann von Köpenick“) zustande bekam, hatte deutlich nachgelassen und blieb sogar noch vier weitere Jahre nachlässig.

Dabei hatten die Carnevalisten 1908 außergewöhnlich viel Zeit, da der Dammer Rosenmontag sehr spät, und zwar am 2. März lag. Doch der am 8. Januar gewählte Präsident Fritz Börger ließ durch Schriftführer Heinrich Enker an diesem Termin einen „schwachen Besuch“ der Sitzung im Protokoll vermerken, erschien sogar auf den nächsten beiden vorbereitenden Sitzungen am 5. und 12. Februar selbst gar nicht und ließ Vizepräsident Johannes Vieth die Sitzung leiten. Doch auch der stellte am 12. Februar „wenig Beteiligung“ fest.
Dabei hatte man die Woche zuvor beschlossen, dass zu den Sitzungen sowohl ein Klavierspieler eingeladen würde wie auch Kappenpflicht bestehen sollte. Vieth selbst sollte „drei Dutzend närrische Kopfbedeckungen“ für die Mitglieder der Carnevals-gesellschaft besorgen. Was er auch tat. Und die schienen den Dammer Carnevalisten wohl ausreichend, denn sie beschlossen am 12. Februar, „einen Zug mit Wagen zu veranstalten“, wobei „jeder Narr dabei in Cylinder und schw. Anzug zu erscheinen hat“. Dazu sollte am Rosenmontag eine Musikkapelle engagiert werden, die den Zug durch die Gemeinde begleitete. Das war denn der ganze Umzug.
Immerhin – am 19. Februar verkündete das Protokoll „fast vollzählig erschienene Narren“. Und obwohl der bestellte „Comiker“ ausblieb, entschloss sich die Versammlung, „in diesem Jahr den Gänsemarsch wieder einzuführen“. Damit der auch wirklich erfolgreich laufen konnte, verpflichteten sich 22 Narren definitiv zur Teilnahme.
Übrigens tat der Schmalspur-Umzugscarneval dem närrischen Vergnügen keinen Abbruch, denn die Fastnachtszeitung vermerkte: „... von Witz und Humor geschwängerte Lüfte nebeln jetzt des Menschen Verstand und Sinn ein“, sodass an den närrischen Tagen sechs Fastnachtsbälle, darunter je zwei allein in den Traditionssälen von Heinrich Droste und Martin Tepe.
Auch erschien die Fastnachtszeitung, wiewohl sie den Eindruck macht, nicht ganz fertig geworden zu sein, denn die Rückseiten sind nur zum geringen Teil bedruckt. Da „Verleger: Wir Alle“ waren, musste diese Unvollkommenheit wohl am „Sitzredacteur: Lickedi, Schuster und Poet“ alias Bernhard Sack gelegen haben. Wer weiß... Wie üblich nahm die Zeitung das Dammer Geschehen aufs Korn, wofür die folgenden Beispiele stehen:

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Dammer Carneval 1958:
Neue „Schädelstätte“ des Elferrats von Sr. Tollität Mans

Er hatte in dieser Session seinen 65. Büttenredner-Auftritt und wurde kurz danach Prinz Carneval in der Narrenstadt Dammensia: Mans I. Büld, der seinen närrischen Untertanen bei seiner Inthronisation eine „Büld-schöne“ Fastnacht versprach. Auf eben dieser Sitzung waren zahlreiche Büttenredner aufgetreten: Heinz und Rudi Bell in mehreren Rollen, ebenso Robert Butke (Macka) sowie Willibald Lübben, der allerdings mal mit Gerd Nyhuis, mal mit Josef Biestmann erschien, darüber hinaus Heinz Rawe, Mans Büld – wie erwähnt -, Bernhard Meyerrose, Ferdi Kramer als Sänger, Günther Rasper sowie Paul Everding und Benno Diekhues, nicht zu vergessen der Hofmusikus Willi Droste. Sie hatten allesamt ein wahrhaft gefülltes Programm geboten und dabei Drostes neuen zeitgemäßen Carnevalsschlager „Hinterm Mond ist’s nicht so schön“ erstmals intoniert. Über allem hing im Saale Pröbsting das 1958er-Motto: „Der kürzeste Weg zu Deinem Mitmenschen ist die Fröhlichkeit!
Wiederum nach hartem Wahlkampf konnte sich als Kinderprinz Bernhard II. Varenau durchsetzen, dessen Adjutanten Elimar Wellbrock und Paul Norrenbrock waren, während ihm als Hofnarr Willi Hohmann zur Verfügung stand. Natürlich hatte dieser harte Wahlkampf mit der Abstimmung auf dem Kirchplatz von St. Viktor seinen Abschluss gefunden.
Eine Besonderheit hatte die 344. Session der Dammer Carnevalsgesellschaft neben den außergewöhnlichen Prinzen durchaus: An der Seite der kurz zuvor neu errichteten Küsterei an der Gartenstraße entstand die „Schädelstätte des Elferrats“ nach einer Idee der inthronisierten Tollität Mans. Ursprünglich ging man von einer Darstellung des Carnevalsumzugs im Ortskern aus, die mit einem Glockenspiel verbunden sein sollte. Eine Sammlung dafür lief bereits auf den Sitzungen an, doch wegen des Neubaus der Küsterei zu St. Viktor ergab sich dann die Möglichkeit, (von Heinrich Starmann aus Neuenkirchen) geschnitzte Reliefs des Elferrats der Carnevalsgesellschaft von 1614 auf einem Zwischenbau weithin sichtbar zu platzieren, so dass Tollität Mans sie als seine Stiftung anlässlich des Rosenmontags 1958 als „hochnärrische und erfrischend respektlose Einweihung im Narrentimpen“ vor der Übernahme der Stadt-Schlüssel übergeben konnte, enthüllt von seinen Adjutanten Josef gr. Austing und Bernhard Herzog sowie vom Hofnarren Günter Brennecke.
Die offizielle Begründung für die Übergabe an diesem Tage lautete: „Wegen der vom Kreisamt erhobenen Vergnügungssteuer ist es uns gelungen, unsere Fastnacht mit einer Denkmalsweihe zu tarnen; denn Denkmalsweihen sind steuerfrei!“ Das entsprach ganz dem Humor der Tollität Mans Büld, der sich als Fachwerkbaumeister und Architekt zu dieser Zeit längst einen Namen weit über das Oldenburger Münsterland hinaus gemacht hatte.


47 Wagen und Gruppen, darunter neun Kapellen bot der Rosenmontagsumzug 1958. Themenschwerpunkte waren angesichts der ersten sowjetischen Raumfahrterfolge die Raketen bzw. Sputniks, doch ebenfalls die Ölsuche sowie das Dammer Baulandproblem, natürlich das geplante Dammer Glockenspiel, im Kinderumzug am Sonntag erwartungsgemäß diverse Märchenmotive, ja, sogar „Cäsar auf dem ersten Europa-Narrenkongress in Damme“ zog man närrisch zu Rate. An Ideen fehlte es auch in diesem Jahr nicht. Folglich erhielten alle Gruppen eine Auszeichnung in Form von Urkunde und Orden. Aber – aus heutiger Sicht kaum vorstellbar – es gab nur einen einzigen Orden pro Gruppe! Den einzigen Sonderpreis bekam die Gruppe Donaustraße mit ihrem Thema „Christoph Columbus sucht in Damme Bauland“.
Um diese Zeit war noch eine Art Trennung des Kinderfastnachts- und des Rosenmontagsumzugs üblich, d. h. nur ein Teil der Gruppen - die mit den eher kindgemäßen Themen - startete sonntags, wobei viele unterschiedlich kostümierte Kindergruppen ohne Motto den Sonntagsumzug mitgestalteten, während am Rosenmontag alle Wagen und Gruppen dabei waren, so dass die augenfälligen „Erwachsenen-Themen“ nur an einem Umzugstag teilnahmen.

Übrigens gab es zu Dammer Carneval tatsächlich ein reelles Glockenspiel, das allerhand Dammer Carnevalslieder erklingen ließ – allerdings nur als einmalige Leihgabe. Ansonsten ist der vorgesehene Platz für das Glockenspiel bis heute frei geblieben.

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Dammer Carneval 1983:
Die Predigt mal als Büttenrede
Unter einem närrisch höchst einleuchtenden Motto feierten Damme und die Dammer Carnevalgesellschaft von 1614 im Jahr 1983 den Carneval: „Frohsinn mit Humor gepaart, das ist Dammer Eigenart“. Auf den Galasitzungen hatte sich in diesem optimistischen Sinne auch gleich ein Parallel-Motto herausgebildet: „Nach jeder Ebbe kommt eine Flut“, Titel des Carnevalssschlagers 1983 von Hofkapellmeister Günter Vormoor.
Die Prinzenfrage lösten die Dammer Narren zugunsten eines als Ingenieur diplomierten Statikers, der solcherart symbolisch die Standfestigkeit des Dammer Narrentums hervorhob: Prinz Karl III. Wüllner aus der Wienerei, dem als Adjutanten Norbert Nordlohne und Martin Börger sowie als Hofnarr Franz-Bernhard Hellmann zur Seite standen. Kurz darauf zog als Kinderprinz und Tollität der kleinen Närrinnen und Narren Kinderprinz Claus II. Boving in seiner Regentschaft nach. Zu Adjutanten erwählte er sich Fred Nordlohne und Tim Paschkowski, zum Hofnarren seinen Bruder Jens.
Am Fastnachtssonntag verlautete aus der katholischen Pfarrkirche St. Viktor etwas ganz Ungewohntes: Eine Predigt wurde als Büttenrede gehalten: Kaplan Karl-Heinz Vorwerk forderte die Dammer auf, Parallelen zum Carneval zu ziehen, beispielsweise so (ein Auszug aus seiner Büttenreden-Predigt):

„Ein Zweites, was ich Euch nun möchte sagen,
’s fällt doch auf, wenn man in diesen Tagen
Des Carnevals so durch die Straßen geht
Und dann in Gasthausnähe mal gerät,
Sei’s Pröbsting, Macka, Tuta und so weiter,
Das singt und klingt so fröhlich und so heiter:
Dass an der Theke sei der schönste Platz,
Für einen Mann gäb’s keinerlei Ersatz.
Ja, „Wir sind alle kleine Sünderlein“,
Dann das bekannte Lied vom „Vater Rhein“,
In der Sahara, ja, da sei’s so schön.
Und: „So ein Tag, der dürfte nie vergehn“
Und Lieder, Lieder! ’s ’ne wahre Pracht,
Das schallt, dass ei’m das Herz im Leibe lacht.
Doch wer vergleicht einmal die Freude
Der Narren dort im bunten Fastnachtskleide
Mit dem, was in der Kirch’ sich abspielt: Kurios!
Da fragt man sich, wie kann das bloß?
Dieselben Leut’ oft – hat man denn da Töne? –
Sie kriegen auseinander hier nicht ihre Zähne.
Dabei ist Messe doch ’ne Freudenfeier,
Die jedem Christen lieb und teuer.
Drum eine Bitte: Sperrt doch auf das Maul
Und seid beim Singen hier nicht gar so faul!“

Dass mit dieser geistlichen Mahnung die Umzüge am Sonntag und Rosenmontag umso mehr Rückenwind bekamen, versteht sich. So ergaben sich bei getrennter Wertung nach Idee und Ausstattung sowie sonntags und montags mit insgesamt 137 startenden Gruppen neun Sonderpreise und damit eine Steigerung zum Vorjahr, auch wenn die Anzahl der Umzugswagen und -gruppen gleich geblieben war. Die angefügten Bilder mögen diese Qualitätssteigerung verdeutlichen.


Vorherrschende Themen gab es diesmal wenige, einmal abgesehen von der mehrfach aufgegriffenen Energiekrise. Wieder gestalteten manche Narren – vorwiegend mit Kindern - Fernsehserien, einige den Dammer Rathausbau oder gar die Dammer Finanzen, diverse die Bonner Politik und Wirtschaft in verschiedenen Versionen, während auch manche aktuelle Schlagertitel wie z.B. „Sternenhimmel“ umgesetzt und – zu Ehren des Prinzen – sogar die närrische „Statik“ als Thema aufgegriffen wurde. Der Protokollchef der Dammer Carenvalsgesellschaft von 1614 Emil Schröder sprach in seinem Sessionsfazit von der „großen Anziehungskraft der beiden Umzüge“. Und die sollte sich noch steigern.



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