Dammer Fastnacht - eine uralte Tradition

„Helau Fastaubend!" ist der Ruf der Dammer Närrinnen und Narren, wenn die „Fünfte Jahreszeit" in der Stadtgemeinde angebrochen ist. „Helau Fastaubend!" zeigt schon in seiner Formulierung eine weit zurückreichende Tradition, denn im Indogermanischen ist „hel" gleichbedeutend mit „rufen, lärmen". Diese Tradition geht in der gesamten Region mindestens bis ins Mittelalter zurück, ist aber ebenso unverwechselbar im Dammer Raum verwurzelt - siehe das Plattdeutsche „Fastaubend“ in diesem Ruf.
Die Formen der Dammer Fastnacht haben sich im Laufe der Jahrhunderte deutlich gewandelt, obwohl noch einige Reste des Urcarnevals in Damme erhalten sind. So ist z. B. das Hahnenschlagen, Hahnenreiten oder Gänsereißen verschwunden, bei dem zu Pferde oder im Lauf einem lebenden Tier der Kopf abgeschlagen werden musste. Der überlieferte „Heischegang“ hingegen ist in abgewandelter Form heute noch als >> "Gänsemarsch" am Fastnachtsdienstag erhalten: Ursprünglich zog man vor Beginn der Fastenzeit, also am Abend vor dem langen Fasten (s. „Fastaubend"), durch sämtliche Haushalte des Ortes und nahm alles Ess- und Trinkbare an sich, hängte es an der vorangetragenen Gaffel auf, um es anschließend gemeinsam zu verprassen. Die Gaffel wird auch weiterhin als Aufhängung für die Fahne der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614 den Fastnachtsumzügen wie auch dem Gänsemarsch vorangetragen.

Dass es bei beiden Formen zu Exzessen kam, war wohl der Grund dafür, dass diese Spielarten beseitigt oder verändert wurden. In den Jahren um 1870 übernahmen die Dammer Narren eine geselligere und weniger martialische Art, Fastnacht zu feiern, wie sie aus dem Rheinland bekannt ist: Sitzungen, Bälle, Umzüge mit vorgegebenen Themen sowie den prinzlichen Hofstaat zur närrischen "Regentschaft". Dieser festgelegte Ablauf bestimmt in gewissen Variationen, verflochten mit einigen urtümlichen Fastnachtsbestandteilen, auch heute noch den Dammer Carneval.

Neben allgemeinen Überlieferungen aus der Region gibt es die ersten urkundlich nachweisbaren Zeugnisse vom „Fastelabends Spiele" im Jahr 1564 sowie von „Großfastelabendt" im Jahre 1609. Seit 1614 ist es die "Dammer Carnevalsgesellschaft“, die als Organisatorin des Fastnachtsgeschehens auftritt. Das Gründungsjahr führt sie auch im Namen und kann es mit Hilfe einer alten Fahne belegen. Die inhaltlich-organisatorische Umorientierung um 1870 sowie alle folgenden Neuanfänge gingen natürlich maßgeblich von der Carnevalsgesellschaft aus.

Trotz der „entschärften" Art der Fastnacht fand 1892 die katholische Kirche, dass der Carneval „ausarte", und setzte 1892 zu den Fastnachtstagen ein "Vierzigstündiges Gebet" an, zu dem die Gläubigen ausnahmslos verpflichtet waren. Zwar versuchten diese, die Geistlichkeit in ihrer unverrückbaren Haltung umzustimmen, doch half das nichts. Da jedoch die Fastnacht so tief im Dammer Wesen verwurzelt war, wollte man sie nicht aufgeben und feierte ab 1893 einfach eine Woche früher. Das ist bis heute so geblieben.

Für 1901 zeigen die Protokolle die Herausgabe eines ersten Liederbuches an, das im Laufe der Jahre immer weiter ergänzt wurde und heute bereits die fünfzehnte Auflage hat. Die ältesten Lieder wie „Wir, das alte Volk zu Damme", „Heil Herrscher, Dir, Prinz Carneval", "Es tönet Bellenklingen" sowie „Kerls, seid fidel" entstammen in Text und Melodie-Vorlage der Zeit des Kaiserreichs. Dagegen ist das volkstümliche „In Damme ist heut‘ Carneval“ dem Neuanfang nach dem letzten Weltkrieg zu verdanken.

Während der beiden Weltkriege fand der Dammer Carneval aus naheliegenden Gründen nicht statt. Auch ab 1922 durften wegen des Fastnachts- und Versammlungsverbots in den unsicheren Zeiten der Weimarer Republik keine Umzüge durch die Dammer Straßen ziehen. Entsprechende Aktivitäten verlagerten sich in den privaten Bereich, bis 1933 mit einer großen Dammer Gruppe im Rahmen einer "Heimatwoche" des Landkreises Vechta Umzug und Carnevalsgesellschaft wiederbelebt werden konnten, zumal Brauchtum und alte Traditionen im Dritten Reich durchaus Unterstützung fanden.

Die 1930er Jahre waren für die Ausweitung des Dammer Carnevals auch insofern bemerkenswert, als ab 1938 neben dem „großen" Prinzen nun ein Kinderprinz gewählt und der Sonntagsumzug als Kindercarneval neu eingeführt wurde. Wegen der Wirren und Probleme in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg begann man in Damme erst 1949 wieder mit dem Fastnachtfeiern. Seitdem konnten nur 1962 wegen der Hamburger Sturmflutkatastrophe und 1991 angesichts des Golfkriegs die Umzüge nicht durchgeführt werden. Im zuletzt genannten Jahr gründete sich ebenfalls eine zweite närrische Organisation, der „Dammer Carnevalsclub von 1991" (DCC 91), der mit der Carnevalsgesellschaft von 1614 in einer Art arbeitsteiligem Veranstaltungsverfahren zusammenarbeitet.

Waren es in den 1950er Jahren an den beiden Umzugstagen (am Sonntag sowie Rosenmontag) noch etwa zwanzig bis dreißig Gruppen und Wagen, die durch die Dammer Straßen zogen und ihr „Helau Fastaubend!" riefen, so hat sich deren Zahl heute (2008: 240!) vervielfacht, wobei Größe, Ausstattung und Ideen in den Gruppen wesentlich aufwändiger und reichhaltiger geworden sind. Etwa 9000 Umzugsteilnehmer gestalten nach eigenen Ideen und in selbständiger Initiative auf einem Weg von 5 km Länge Umzüge von ca. 4 –5 Stunden Dauer. Mit diesen Zahlen zeigt Damme die größten Umzüge Norddeutschlands. Folglich ist Damme an den Fastnachtstagen Anziehungspunkt für insgesamt weit über hunderttausend Besucher.

Das Stadtmuseum Damme hat im Bereich der ständigen Ausstellung die Geschichte der Dammer Fastnacht reichhaltig dokumentiert (vgl. dazu auch Texte und Bilder
unter >> www.heimatverein-damme.de). Öffnungszeiten sowie Möglichkeiten für Besucher oder Gruppen siehe dort.

Literatur:
Aka, Christine/Pfister, Heike: Von der Fastnacht zum Karneval; in: Bade/Kessel/Oberpenning/Schindling (Hg.):
Damme - Eine Stadt in ihrer Geschichte; Sigmaringen 1993, S. 561-598
Schomaker, Alwin: Das Alte Volk von Damme, 2 Bde., Vechta 1964



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