Jubiläen 2009

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Dammer Carneval 1909:
Sieben Kutschwagen bilden den Rosenmontagszug

Auch wenn Bemerkungen aus der Fastnachtszeitung 1909 in eine etwas andere Richtung zielen, so war doch der Rosenmontagsumzug in diesem Jahr nur „ein Zug durch die Gemeinde“. Einen Prinzen hatte die Carnevalsgesellschaft nicht gewählt. Immerhin bildeten sieben Kutschwagen den Umzug, in denen Dammer Honoratioren saßen und von Kneipe zu Kneipe zogen. Den Weg und diese Kneipen-„Haltestellen“ bestimmte der Vorstand, bestehend aus dem Präsidenten Fritz Börger, seinem Stellvertreter Wilhelm Clausing und dem Schriftführer Johannes Vieth.
Doch waren die Kutschen-Insassen - übrigens nur Herren - keineswegs kostümiert und hatten sich auch kein Thema für den Umzug oder ihren Wagen ausgedacht, sondern trugen laut Protokoll „schwarzen Anzug, einheitliche Kopfbedeckung, und zwar Cylinderhut“. Allerdings hatte man eine mitziehende Musikkapelle, die während des Zuges und an den „Haltestellen“ aufspielte.
Die Fastnachtszeitung von 1909 kündete einige umwälzende Neuerungen an: „Damme strahlt im elektrischen Lichte; die Nacht wird zum Tage. Große Röntgenstrahlenapparate durchleuchten bald Berge, Hügel, Täler und den tiefen Dümmergrund, Mineralschätze aller Art entdeckend. Großartigen Betrieb zeigt bereits Haverbeck, ein Ort, der von Milch und Honig fließt.“
Tatsächlich begann um diese Zeit in Damme die Elektrifizierung der Haushalte und ab 1912 lieferte sogar das nahe Torfwerk in Schwegermoor den selbst erzeugten Strom. Ebenso begann man 1910 im Auftrag des Großherzogs mit den ersten Probebohrungen, die dreißig Jahre später zur Eröffnung des Dammer Eisenerzbergwerkes führten. Hier nahm also die „Redaction“ die Anzeichen der Zeit sehr aufmerksam auf. Diese „Redaction“ bestand aus gestandenen Dammern, die auf einer Sitzung am 6. Januar 1909 gewählt worden war. Es waren die Herren Paul Osterhof, Josef Wiegel, Rudolf Nordhoff, Fritz Börger, Wilh. Clausing, Bernard Leiber, Johannes Vieth, Fritz Mensing.
Auf der „Schlußsitzung“ zwei Wochen nach Carneval führte Johannes Vieth im Protokoll 38 Mitglieder namentlich auf. Zudem stellte er die Abrechnung vor. Den Einnahmen von 173,97 Reichsmark standen Ausgaben gegenüber, die zwei Pfennige geringer waren, so dass also das Guthaben der Carnevalsgesellschaft von 60 Mark dezent erhöht wurde.



Annoncen aus der Fastnachtszeitung 1909


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Dammer Carneval 1934:
Nach 14 Jahren endlich wieder ein vielfältiger Umzug

Der Elan der neuen „jugendlichen“ Aktiven, die 1933 das Carnevalsgeschehen wieder angeschoben hatten, führte 1934 zu einem beachtlichen Aufschwung. Auf der üblichen Generalversammlung „am dritten Weihnachtstag 1933 in der nördlichsten Hofburg“, dem Hotel Mähler, formierte sich der Vorstand neu und wählte zum Präsidenten Josef Gausepohl. Unterstützung sagten für die Viehhändler Heinrich Grafemeyer, Osterdamme, und für die Organisation eines Kindercarnevals von Seiten der Lehrerschaft August Lübbehusen, Borringhausen zu. Mit Josef Stromann wählten die Narren 1934 einen Prinzen, der in den Folgejahrzehnten maßgeblich für die Carnevalsgesellschaft werden sollte, der auch die Wiedereinführung des traditionellen Gänsemarsches und des Jammerkaffees anordnete.
Nach weiteren vorbereitenden Sitzungen stand der Rosenmontagsumzug für das erste „ordentliche“ Jahr des Wiederbeginns fest: 1) Zugleiter, 2) Herolde, 3) Rüschendorfer Musikkapelle, 4) Motorsturm 4/M64 (Osnabrück), 5) Bielefelder Tiergarten, 6) Jägerwagen, 7) Viehhändlerverband, 8) Jazzkapelle, 9) Hurra, in Afrika ist Kirmes, 10) Prinzenwagen, 11) Vorstandswagen, 12) Wagen der Ehrengäste (Heimatdichterin Elisabeth Reinke, Amtshauptmann Dr. Brandis, Bürgermeister gr. Broermann), 13) Meyers Trommler- und Pfeiferkorps, 14) Bauerschaft Borringhausen, 15) Bauerschaft Osterfeine, 16) Zauberladen, 17) Seeungeheuer, 18) Panoptikum, 19) Dat Gelumpe, 20) Übrige. Das Programm des Tages sah um 10 Uhr die Huldigungsfahrt Sr. Tollität, ab 11 Uhr den Rosenmontagszug, danach den Gänsemarsch durch alle Kneipen und Straßen, am folgenden Dienstag den Abschluss mit dem Jammerkaffee im Erholungsheim vor.


Auch wenn die OV tags darauf nur 10 „sehr originell ausgestattete Wagen“ neben den Reitern und den Musikkapellen für erwähnenswert hielt, so berichtete sie gleichfalls, dass am Sonntag zuvor ein Kinderfestzug den Anfang des Carnevals gemacht habe. Letzteres war eine Neuerung, die fortan noch verstärkte Bemühungen erfahren sollte. Verändert hatten sich natürlich auch die politischen Verhältnisse, und so hatten die Dammer Viehhändler – ganz im Sinne der NS-Propaganda - erstmals einen Motivwagen mit antijüdischer Hetze eingebracht, war auch eine uniformierte SA-Kapelle dabei.

Mit einer Auflage von 1200 Exemplaren fand 1934 die Fastnachtszeitung reißenden Absatz. Man beschloss auf der Nachbereitungssitzung, Richtlinien für die Beteiligten am Umzug festzulegen, ebenso, die Reklame im nächsten Jahr zu intensivieren, während die Session mit Einnahmen von 319,50 RM und Ausgaben von 265,02 RM einen finanziellen Überschuss ergab.
Bei der folgenden Generalversammlung am 27.12.1934 zog sich Josef Gausepohl, zu dieser Zeit „Ortspropagandaleiter“ der NSDAP, zurück, sodass Hubert Butke sen. zum Präsidenten gewählt wurde. Der anwesende Amtshauptmann Haskamp, auch Mitglied der Carnevalsgesellschaft, betonte bei dieser Gelegenheit ganz im Sinne der NS-Ideologie, der Dammer Carneval gehöre „zum alten deutschen Brauchtum“.

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Dammer Carneval 1959:
Raumfahrt und allerlei Nettigkeiten

„Seid nett zueinander!“ war nicht nur das Motto der 345. Session der Dammer Carnevalsgesellschaft, sondern entpuppte sich als ein oftmals gestaltetes und variiertes Umzugsthema. Dabei heißt oftmals ganz konkret: Vier von insgesamt 29 Wagen und Gruppen sowie 14 Kapellen. Genauso wie es das zweite Thema zu mehrfacher Gestaltung brachte: Die Raumfahrt oder die Mondraketen waren in Abwandlungen sogar fünfmal vertreten.
Ansonsten gab’s eine Menge politischer Anspielungen sowie die vierteilige und zukunftsweisende „Stadtwache“ der sehr aktiven Donaustraßen-Gruppe. Wie immer spielte die Lokalpolitik eine Rolle, etwa bei der Frage nach der Dümmergrenze, beim Freibadbau oder bei der Verkoppelung landwirtschaftlicher Flächen.
Der tags vorausgehende Sonntagsumzug hingegen zeigte sich noch im ursprünglichen Sinne als Kinderumzug mit entsprechenden Themen aus der Welt der Märchen, des Liedguts, der Comics oder der seinerzeit modischen Hula-Hoop-Reifen. Als Kindertollität hatte sich nach einem heißen Wahlkampf Hans-Heinrich Friemerding mit seinen Adjutanten Franz Grimme, Martin Koch und dem Hofnarrn Dieter Schmiesing durchgesetzt. Diese Wahl führte seinerzeit Kindervater Hans Fortmann mit einer öffentlichen Abstimmung auf dem Kirchplatz vor dem St. Viktor-Dom durch.
Anwesend war auch die eine Woche zuvor gekürte große Tollität Benno I. Leiber mit seinem Hofstaat, den Adjutanten Robert Wellerding, Franz Meyer-Holzgräfe und dem Hofnarrn Willi Mähler. Beide Prinzen gehörten als aktive Reiter dem Dammer Reiterverein an, der natürlich mit einer starken Staffel in den Umzügen vertreten war.
Präsident Josef Stromann bescheinigte dem sonntäglichen Kinderumzug „die höchste Wertstufe an Ideenreichtum und kindgerechter Ausstattung“, dem Rosenmontagsumzug hingegen eine „unwahrscheinliche Anziehungskraft, weil doch hier jeder sieht, was man gar nicht für möglich gehalten hätte“.


Eine Premiere gab es auch für Prinz Benno, der über den Rundfunksender NWDR ein Grußwort an alle Hörer zwischen Küste und Wiehengebirge richten durfte. Im Übrigen ließ die Tollität seinen ganzen Charme gegenüber den Damen spielen, um immer wieder das Motto „Seid nett zueinander!“ in die Praxis umzusetzen. Denn Benno Leiber war zu dieser Zeit noch ein begehrter Junggeselle in Damme.



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Dammer Carneval 1984:
Vierfache Anzahl Umzugsgruppen gegenüber 1959


Was sich da seit den 1970ern vollzogen hatte, war schon eine Art explosive Entwicklung, denn innerhalb von 25 Jahren stieg die Menge der Wagen und Gruppen in den Umzügen der Dammer Carnevalsgesellschaft bis 1984 um das Vervierfache. Thematisch ließ sich kein Schwerpunktthema ausmachen, denn von allem war etwas vertreten: Lokal-, Landes- und Bundespolitisches, Familiengerechtes aus den unterschiedlichsten Medien, umgesetzte Wortspiele und allerlei anschaulich gestaltete Geistesblitze, gemischt mit Standards wie Piraten, Cowboys und Indianern. Selbst das Motto der Session, das „Sparen ja – aber nicht auf Kosten der Freude“ hieß, tauchte zwar indirekt bei einigen Gruppen wieder auf, doch widmete sich niemand intensiv diesem Vorschlag.

Eines zeigte sich genauso wie in manchen Jahren zuvor: Die herkömmliche Teilung in einen Kinderumzug am Sonntag und einen Rosenmontagsumzug für die Erwachsenen war längst unterlaufen, denn immer mehr aufwändig gestaltete Gruppen wollten sich an beiden Umzugstagen zeigen. Ebenso hatte sich etwas anderes herauskristallisiert: Auswärtige Zuschauer kamen vorwiegend sonntags. Da war es verständlich und naheliegend, dass gerade der Sonntag die närrischen Höchstleistungen präsentierte. Schließlich war es 1984 doch noch der Name des „großen“ Prinzen, der einigen Gruppen diverse Assoziationen lieferte.

Der Tierarzt Dr. Vogelsang hatte als Helmut I. mit seinen Adjutanten Falko-Christian Seidel und Rolf Denguth sowie dem Hofnarren Heinrich Steinriede einen munteren Hofstaat aufgeboten, wie er zu manchem „Vogel-Gesang“ Anlass bot und solchermaßen einige Gruppen inspirierte. Als Kindertollität regierte Prinz Marc I. Zerhusen, der sich die Gebrüder Rolf und Peter Heidkamp zu Adjutanten sowie Jens Hillermann zum Hofnarren auserkor. Auch Marc, der aus einer bekannten Dammer Familie mit viel Sinn fürs Narrentum stammt, bot seinen Kinder-Untertanen viel an Abwechslung und Pläsier.
Im Saale Pröbsting hatte es 1984 sogar drei Galasitzungen gegeben. Sieben Büttenreden hielten Rudi Bell („Prolog“, „Reporter“), Josef Koch („Nachtwächter“), Benno Goda („Ein Doofmann“), Hans Mähler mit Willy Enneking („Muck & Trina“), Hans-Georg Alten („Ein hohes Tier“) und Heiko Bertelt („Heiratsvermittler“). Günter Vormoor und Gerd Nyhuis stellten mit dem viel diskutierten „Deutschen Mann“ den neuen Carnevalsschlager vor. Drei Funkengruppen tanzten, dass die altehrwürdige Bühne wackelte. Dazwischen sang man vergnügt alle gängigen Carnevalslieder. Präsident Fritz Enneking ließ sogar „Heil Dir, o Oldenburg!“ anstimmen.


Insgesamt hatte die 370. Session der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614 bewiesen, dass man keineswegs mit dem Narrentum gegeizt oder auf Kosten der Freude gespart hatte.



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