Die Schwellköpfe der Gebrüder Leiber:
Närrische Spaßmacher und Kinderschreck

Heute steht stillvergnügt der kleinste von ihnen – immerhin noch gut zweieinhalb Meter hoch - im Eingang der Ausstellungsräume des Dammer Stadtmuseums, aber in den 1950er Jahren gab es deren drei, die zwar ihren Trägern trotz der Last auf den Schultern einen Riesenspaß bereiteten, bei manchem Kind aber Schrecken erzeugten: die drei Schwellköpfe der Gebrüder Leiber, die fast zehn Jahre hintereinander in wechselnder Bekleidung einen Höhepunkt der Dammer Carnevalsumzüge bildeten.



Wie waren überhaupt August, Franz und Conrad Leiber 1952 erstmals darauf gekommen, solche Pappmaschee-Riesen nach Damme zu holen? Insbesondere die beiden Brüder Conny und Franz unterhielten diverse geschäftliche Beziehungen ins Rheinland und nahmen ihren Bruder August mit ins Boot, um je einen dieser Köpfe zu finanzieren bzw. nach Damme zu bringen. Schließlich verfügten alle drei über geeignete Angestellte, die solch schwere Last durch die Umzüge trugen.



Auch bei dieser närrischen Gepflogenheit müssen wir einmal wieder feststellen, dass sie aus dem Umfeld des rheinischen Carnevals stammt. Schon um 1870 war es ja so gelaufen, dass in Damme die rheinischen Formen wie Themenumzüge, Kostümbälle und ein Prinz in den hiesigen Carneval übernommen wurden. Im Falle der Schwellköpfe kann man sie sogar relativ genau nach Mainz lokalisieren, wo sie erstmals in der dortigen Fastnacht auftauchten und ursprünglich sogar in der sog. „Franzosenzeit“ ein Mittel waren, um die missliebige Obrigkeit zu verspotten.
Das Wesen des Schwellkopfes ist es, dass er überlebensgroß geformt und über dem Kopf getragen wird. Das Guckloch für den Träger befindet sich im Hals oder in der Brust dieser Gestalt (s. Foto), deren Kopf aus Pappmaschee besteht, während der Corpus auf einem Tragegerüst mit Stoff verkleidet ist.

Dass die gestalteten Köpfe eher fratzenhafte Gesichter zeigten, erinnert einerseits sehr stark an ihren ursprünglich karikierenden Charakter, trug aber auch dazu bei, dass sich Kinder vor ihnen fürchteten, namentlich wenn sie sich weit nach vorn in die Zuschauerreihen neigten, wie es die drei Dammer Figuren seinerzeit gern taten. Da schien doch zumindestens diejenige mit dem weit aufgerissenen Mund die Kinder verschlingen zu wollen...
Immerhin waren die Figuren sehr schwer zu tragen – auch wenn die Länge des Umzuges in den 1950er Jahren bei weitem nicht der heutigen entsprach. Das mag auch der Grund gewesen sein, dass die drei Dammer Schwellköpfe nach 1961 nicht mehr im Umzug auftauchten und auf dem Boden des früheren Hauses Wagelaar eingelagert wurden, wo Conny Leiber wohnte und sich zu dieser Zeit auch eine Außenstelle seiner Firma Bahlmann & Leiber befand.

Während die anderen beiden zerfielen, erlebte einer der Köpfe 1972 als „Uncle Sam“ mit Stars & Stripes eine Art Wiederauferstehung im Carnevalsumzug. Er ist auch derjenige, den der unermüdliche Sammler Franz Dorenkamp retten konnte und den er 1993 dem Stadtmuseum übergab, das ihn restaurierte und neu einkleidete. Hier begrüßt der Schwellkopf alle Besucher, weist sie auf die Carnevals-Abteilung hin und bildet ein beliebtes Foto-Motiv.
Wolfgang Friemerding

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