Jubiläen 2015 – So war der Dammer Carneval vor...

 

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Dammer Fastnacht vor 110 Jahren
„Lustig ist das Zigeunerleben“ hieß es Carneval 1905

Obwohl sich die Carnevalsgesellschaft in der 291. Session angesichts vieler Neuaufnahmen großen Zuspruchs erfreute, musste man in diesem Jahr auf eine Tollität verzichten. Zwar war auf einer Sitzung am 8. Februar der erst 23jährige Bernhard gr. Broermann als Prinz „per Acclamation“ und „einstimmig“ gewählt worden, doch nahm er die Wahl nicht an. Eine Fastnacht ohne Prinz kam in dieser Zeit schon mal vor.

Davon ließen sich die – ausschließlich männlichen – Narren nicht beeindrucken, sondern konzentrierten sich auf den entscheidenden Spaß. Sie einigten sich eine Woche nach der gescheiterten Prinzenwahl auf das Thema des Umzugs 1905: Es sollte ein „Zigeunerzug“ werden mit zwei Gaukler- und Pferdehändlergruppen und einer Kochgruppe. Die Narren Robert vor dem Esche, Martin Tepe, Wilhelm Clausing, Wilhelm Beckmann und Fritz Börger ernannte die Versammlung zu Gruppenführern und Organisatoren. Denn um diese Zeit war es üblich, dass nur die Mitglieder der Carnevalsgesellschaft den Umzug gestalteten, also die gesamte Planung erledigten, die teilnehmenden Personen und die Kostüme stellten.

Von Wilhelm Gillmann, seinerzeit Kassierer der Carnevalsgesellschaft, ist dazu ein Foto als „Zigeuner“ erhalten, ebenso das Kostüm, das heute noch im Stadtmuseum ausgestellt ist. Die „Fastnachtszeitung“ dieses Jahres leitet zwar ein ausführlicher Prinzenaufruf im oberen Drittel ein, doch die Tollität bleibt ebenso unbenannt wie die beiden anderen Unterzeichner „von Juxballon“ und „von Stolterbolter“. Übrigens äußert sich der fiktive Narrenherrscher sehr anerkennend über die „superben Diamantfelder Haverbecks, die vielen berühmten Eisen-, Schmelz- und Hochöfen Langenteilens und die großartigen Kohlenbergwerke Klünenbergs“. Offenbar hat der anonyme Verfasser eine spezielle Vorliebe zum Dammer Osten – ein leicht spöttischer Respekt, der bis heute für die Dammer Carnevalisten gilt.

Der närrische Gewinn war also – wie erhofft – beachtlich, der finanzielle hingegen weniger, denn die Gesamteinnahmen betrugen zwar laut Jahresrechnung 265,40 Reichsmark, doch ergab sich in der Endabrechnung ein Defizit von 55,36 RM. Vielleicht lag’s ja daran, dass Se. anonyme Tollität für die Session einen „umfassenden Steuererlass“ verfügt hatte, weil er auf die reichhaltigen Einnahmen aus den vorab erwähnten Diamantfelder sowie den Berg- und Stahlwerken vertraute...



 


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Dammer Fastnacht vor 50 Jahren:
1965 unter dem Motto „Seid doch nicht soo pingelig!“

Im Jahre 1 nach dem 350. Geburtstag des Dammer Carnevals ließen die Bemühungen um eine Weiter- und Höherentwicklung des hiesigen Narrentums trotz der außergewöhnlichen Anstrengungen von 1964 nicht nach. Das zeichnete sich schon beim Kinderprinzenwahlkampf ab, den sehr intensiv gleich vier Kandidaten mit Gefolge führten. Den Sieg dabei errang Klaus I. Schmitz, begleitet von seinen Adjutanten Herbert Wischnewski und Walter Krapp sowie dem Hofnarrn Josef Honkomp.

Auch die Tollität 1965 und sein Hofstaat setzten sich aus bewährten und aktiven Dammer Carnevalisten zusammen: mit Josef III. Moormann als Prinzen, Emil Schröder und Benno Goda sen. als Adjutanten sowie Hans Mähler in der Rolle des Hofnarrn. Überhaupt hatte man die Erbsenzähler als die wichtigsten Anti-Carnevalisten identifiziert, denn das Motto lautete recht großzügig: „Seid doch nicht soo pingelig.“

Die Galasitzungen liefen nach dem bewährten Muster ab: im Wechsel von Büttenrede und Gesang des gesamten Liedguts der Dammer Carnevalsgesellschaft, das jedes Jahr ein neuer Song ergänzte – alle Veranstaltungen natürlich im Saale Pröbsting. Die heute kaum noch nachzuvollziehende Besonderheit lag darin, dass die drei Galasitzungen zweimal sonntags und einmal am dazwischen liegenden Mittwoch stattfanden. Der Samstagabend war bis dahin tabu, denn die Geistlichen der katholischen Kirche fürchteten, dass ihnen nach einer vorhergehenden langen Nacht die Kirchgänger am Sonntag Morgen ausblieben. Insgesamt 10 Büttenreden gab es darüber hinaus. Die 1962 erstmals durchgeführten Kindersitzungen entwickelten sich mit Hilfe der Schulen weiter und blieben zunächst noch im Kolpinghaussaal.


Hatte die Carnevalsgesellschaft mit vielen Aufrufen und Impulsen im vorangegangenen Jubiläumsjahr am Rosenmontag 74 Gruppen und Wagen aufgeboten, so ging die Entwicklung 1965 wieder auf das Normalmaß zurück: 54 Anmeldungen lagen vor. Das befand sich eigentlich im Rahmen dessen, was seit den 1950er Jahren langsam, aber sicher zu einer Steigerung geführt hatte. In der Folgezeit ging es ohnehin in Qualität und Quantität bei den Umzügen aufwärts.
Berücksichtigen muss man allerdings, dass der Sonntag noch ausschließlich den Kindern vorbehalten war, die teils in organisierten Gruppen mit Wagen – oftmals von den Schulen initiiert -, teils buntgemischt kostümiert im Umzug mitliefen. Bei dieser Größenordnung war es noch möglich, sich den Zug „überrollen“ zu lassen, d.h. letztlich konnten ihn die Zuschauer von ihrem Standplatz aus zweimal sehen.



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Fastnacht vor 25 Jahren:
1990: „Grenzenlos und ohne Mauern wird die Fastnacht überdauern“

Der Vergleich mit 1965 macht deutlich, welcher Quantensprung innerhalb von 25 Jahren im Dammer Carneval stattgefunden hatte. Doch das lag weniger am Mauerfall- und Wiedervereinigungs-Motto der 376. Session als vielmehr an der explosiven Breitenwirkung des Narrentums, wie diese Damme seit den 1970er Jahren erfasst hatte.

Zum Kinderprinzen proklamierte Kindervater Hans Vieth Andreas I. Fortmann, der mit seinem Bruder Ulrich und Christian Bork als Adjutanten sowie Philipp Alten als Hofnarrn die Regentschaft für die kleinen Narren übernahm. Für die größeren hingegen hieß die Tollität Bernhard III. Brinkhoff, ein Senkrechtstarter des Carnevals, denn erst am „Dritten Weihnachtstag“ 1989 war er in den Elferrat gekommen. Sein Hofstaat setzte sich zusammen aus den Adjutanten Willi Poll und Heinrich Lüdeke-Dalinghaus nebst dem Hofnarrn Bernhard Arkenberg.

Die Struktur der Galasitzungen hatte sich mittlerweile sehr verändert. Nicht nur die Beschallungstechnik, sondern auch die Beleuchtungseffekte nebst intensivierter Saaldekoration waren das äußere Zeichen dafür. Denn ansonsten traten nun zwei Funkengruppen mit Tanzvorführungen auf, die Gesangsvorträge bestanden jetzt aus bekannten Schlagermelodien mit neuen Texten, die auf den Dammer Carnevals bezogen waren. Darüber hinaus agierten die Büttenredner immer weniger aus der bewährten Tonne heraus und nutzten mit diversen Requisiten den gesamten Bühnenraum.

„Stadtmuseumswärter“ Hans-Georg Alten, „Magier“ Dr. Ernst Vesterlund, „Muck & Trina“ Hans Mähler & Willy Enneking, die „Mauerspechte“ Markus Enneking/Wolfgang Friemerding, „Reporter“ Benno Goda jr., die „Stadtstreicher“ Heiko Bertelt/Hans Mähler hießen die Büttenredner, ergänzt durch das Gesangsduo „Dudelix & Drechselfix“ Günter Vormoor & Gerd Nyhuis. Anne Goda und Anke Theilmann zeichneten bei den Funkenmariechen, Bernhild Krebeck/Karoline Rump bei der Funkengarde für die Choreographie verantwortlich. Galasitzungen und Bälle mit Urkunden- und Ordensverleihung spielten sich natürlich im bewährten Haus und Saal Pröbsting ab. Die übrigen Veranstaltungen fanden noch in der jeweiligen Hofburg statt. 1990 war das der „Hubertushof“ in Osterdamme.

Die neue Rekordzahl lag für die Fastnachtsumzüge bei 202 bei den Wagen und Gruppen. Die Zweiteilung in Kinder- und Rosenmontagsumzug hatte sich schon seit Beginn der 1970er Jahre aufgelöst, denn die mit viel Arbeit und Kosten verbundene Gestaltung der Gruppen brachte es zwangläufig mit sich, dass sich alle Wagen sonntags und montags dem Publikum präsentierten. Mauerfall und DDR-Öffnung, Klimawandel und Ölpreis, Stadtsanierung und Dauerthemen wie Piraten, Cowboys, Indianer, Mexikaner etc. stellten diverse Gruppen am häufigsten dar – immer in einer eigenen Variante und mit besonderem Pfiff.

Die Preisrichterkommission befand angesichts der ständig steigenden Qualität 47 Sonderpreise und 52 erste Preise für angemessen, stellte allerdings auch 14 einfache Teilnahme-Urkunden aus. Die Expansion im Umzugsgeschehen forderte also einerseits den Ehrgeiz zu besonders aufwändigen und einfallsreichen Gruppen heraus, brachte jedoch auch manche schnell zusammengestellte und weniger wirkungsvolle Ergebnisse mit sich. Die Aufgabenfülle für den ehrenamtlich tätigen Elferrat wuchs solchermaßen ständig.


 

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